Anschreiben
Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: die Zahl finden und richtig nennen
Fragt die Anzeige nach deiner Gehaltsvorstellung, nennst du das Bruttogehalt für ein Jahr im Schluss des Anschreibens. Fragt sie nicht danach, lässt du die Zahl weg. Diese Seite zeigt, wie du den Betrag findest, wie der Satz klingt und was du zu deinem jetzigen Gehalt sagst.
Die Antworten auf einen Blick
| Frage | Antwort | Quelle |
|---|---|---|
| Muss ich sie angeben? | Wenn die Anzeige danach fragt, ja. Sonst gelten deine Unterlagen als unvollständig. Fragt sie nicht danach, lässt du die Zahl weg. | Karrierebibel |
| Welche Zahl? | Das Bruttogehalt für ein Jahr, ohne 13. Gehalt und ohne Zusatzleistungen. | Karrierebibel, Gehalt.de |
| Wo steht sie? | Im Schlussteil des Anschreibens, nicht im Lebenslauf. | Karrierebibel |
| Betrag oder Spanne? | Beides geht. Bei einer Spanne rechnest du damit, dass sich das Angebot an der unteren Grenze orientiert. | Gehalt.de |
| Wie finde ich die Zahl? | Mit dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Gehaltsvergleichen und den Spannen in aktuellen Anzeigen. | Lexware, Karrierebibel |
| Und mein jetziges Gehalt? | Nenne es nicht von dir aus. Eine EU-Richtlinie untersagt Arbeitgebern die Frage danach. Das deutsche Gesetz dazu fehlte am 8. Juli 2026 noch. | Karrierebibel, Richtlinie (EU) 2023/970 |
Wann du die Gehaltsvorstellung angeben musst
Die Pflicht kommt aus der Anzeige. Steht dort, dass der Betrieb deine Gehaltsvorstellung erwartet, nennst du sie. Die Karrierebibel begründet das so: Ohne die Angabe sind die Unterlagen unvollständig. Damit riskierst du eine Absage. Außerdem wirkt es, als hättest du die Anzeige nicht richtig gelesen. Auch Gehalt.de rät, einer solchen Bitte nachzukommen.
Fragt die Anzeige nicht danach, musst du nichts schreiben. Die Karrierebibel empfiehlt dann, das Thema ins Vorstellungsgespräch zu verlagern, damit die Zahl kein Absagegrund wird. Ein Sonderfall sind Online-Formulare: Ist das Feld dort Pflicht, trägst du denselben Bruttowert für das Jahr ein, den du auch im Anschreiben nennen würdest.
So findest du deine Zahl in vier Schritten
- Anzeige lesen. Nennt sie eine Spanne oder einen Tarifvertrag, ist das dein erster Anhaltspunkt. Auch andere aktuelle Anzeigen für denselben Beruf enthalten oft Gehaltsangaben.
- Entgeltatlas öffnen. Das Werkzeug der Bundesagentur für Arbeit ist laut Lexware kostenlos und läuft ohne Anmeldung. Es zeigt das mittlere Bruttomonatsgehalt für Vollzeit und lässt sich nach Region, Alter, Branche und Geschlecht filtern. Der Mittelwert heißt: Die eine Hälfte der Beschäftigten verdient mehr, die andere weniger. Achte auf das angezeigte Datenjahr, denn die Werte können einige Jahre alt sein.
- Auf das Jahr hochrechnen. Monatswert mal zwölf ergibt deine Ausgangszahl. Bei Teilzeit rechnest du anteilig.
- Aufschlag festlegen. Die Faustregeln der Karrierebibel lauten: Berufseinstieg plus 3 bis 5 Prozent, mehr Verantwortung plus 5 bis 7 Prozent, höhere Position plus 10 bis 15 Prozent. Als Verhandlungsspielraum nennt sie weitere 5 bis 10 Prozent. Liegst du 20 Prozent über dem üblichen Marktwert, schließt du dich nach ihrer Einschätzung häufig selbst aus.
Diese Prozentwerte sind Erfahrungswerte eines Ratgebers und keine Marktdaten. Sie helfen dir beim Rechnen, ersetzen aber nicht den Blick auf deinen Beruf und deine Region.
Beispielsätze zum Anpassen
Ein kurzer Satz reicht. Die Karrierebibel warnt: Je mehr du dazu schreibst, desto eher klingt es nach Rechtfertigung. Die folgenden Sätze folgen den Mustern von Karrierebibel und Gehalt.de. Die Zahlen sind erfunden.
| Fall | Satz |
|---|---|
| Fester Betrag | Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 48.300 Euro brutto im Jahr. |
| Spanne | Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 47.500 und 49.800 Euro brutto im Jahr. |
| Mit Eintrittstermin | Aufgrund meiner Kündigungsfrist stehe ich Ihnen ab dem 1. März zur Verfügung. Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 48.300 Euro brutto im Jahr. |
| Teilzeit | Für die ausgeschriebene Stelle mit 30 Wochenstunden liegt meine Gehaltsvorstellung bei 36.200 Euro brutto im Jahr. |
| Nach der Ausbildung | Meine Ausbildung beende ich voraussichtlich im Juli. Danach stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 34.700 Euro brutto im Jahr. |
| Anzeige fragt nicht danach | Kein Satz. Das Thema kommt im Gespräch. |
Die Karrierebibel rät zu krummen Beträgen und beruft sich auf Studien um Malia Mason von der Columbia Business School: Wer eine genaue Zahl nennt, wirkt überzeugter und besser vorbereitet. Ausweichende Sätze wie „Meinen Gehaltswunsch erläutere ich gern im persönlichen Gespräch“ passen nach ihrer Empfehlung nur, wenn die Anzeige gar nicht danach fragt. Gehalt.de hält auch weichere Angaben für möglich, möchte aber eine grobe Zahl dabeihaben. Wer ausdrücklich gefragt wird, fährt mit einer Zahl deshalb sicherer.
Ein durchgehendes Beispiel
Das Beispiel ist erfunden, auch die Zahlen. Jonas Weber arbeitet seit vier Jahren in der Buchhaltung eines Handwerksbetriebs. Er bewirbt sich bei einem Großhändler als Sachbearbeiter und soll dort zusätzlich den Monatsabschluss übernehmen. Die Anzeige bittet um Gehaltsvorstellung und frühestmöglichen Eintrittstermin.
Im Entgeltatlas findet er für seinen Beruf und sein Bundesland einen mittleren Wert von 3.800 Euro brutto im Monat. Das sind 45.600 Euro im Jahr. Weil die Stelle mehr Verantwortung bringt, nimmt er den Aufschlag von 5 bis 7 Prozent aus der Faustregel. So landet er zwischen 47.880 und 48.792 Euro. Er entscheidet sich für 48.300 Euro. Unter 46.500 Euro würde er nicht wechseln. Diese Grenze behält er für sich.
Sein Anschreiben endet so:
Den Monatsabschluss habe ich in meiner jetzigen Stelle in den letzten zwei Jahren selbst vorbereitet. Im Gespräch zeige ich Ihnen gern, wie ich dabei vorgehe.
Aufgrund meiner Kündigungsfrist stehe ich Ihnen ab dem 1. März zur Verfügung. Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 48.300 Euro brutto im Jahr.
Über eine Einladung freue ich mich.
Mit freundlichen Grüßen
Jonas Weber
Sein jetziges Gehalt steht nirgends. Auch eine Begründung für die Zahl fehlt, weil der Absatz darüber sie schon liefert. Für eine Stelle mit 30 statt 40 Stunden würde er drei Viertel rechnen, also rund 36.200 Euro. So entsteht der Teilzeit-Satz aus der Tabelle oben.
Jahr und Monat: die häufigste Verwechslung
Gehalt.de nennt das Jahresbrutto als Standard für das Anschreiben. Die Karrierebibel begründet das damit, dass sich die Kosten für den Arbeitgeber aus dem Bruttojahresgehalt ergeben. Was netto ankommt, hängt von deiner Steuerklasse und anderen Abzügen ab. Beim Rechnen hilft diese Übersicht:
| Brutto im Monat | Brutto im Jahr (mal 12) |
|---|---|
| 3.000 Euro | 36.000 Euro |
| 3.500 Euro | 42.000 Euro |
| 4.000 Euro | 48.000 Euro |
| 4.500 Euro | 54.000 Euro |
| 5.000 Euro | 60.000 Euro |
Das 13. Gehalt rechnest du nach der Karrierebibel nicht hinein, Zusatzleistungen ebenfalls nicht. Sie gehören ins spätere Gespräch.
Die Frage nach deinem jetzigen Gehalt
Manche Ratgeber schlagen Sätze wie „Mein aktuelles Jahresgehalt beträgt …“ vor. Selbst die Karrierebibel, die solche Muster zeigt, hält es im Gespräch nicht für ratsam, das bisherige Gehalt ungefragt zu nennen, weil das deinen künftigen Wert begrenzen kann. Die EU geht in dieselbe Richtung. Artikel 5 der Entgelttransparenzrichtlinie sagt, dass der Arbeitgeber Bewerber nicht nach ihrer Entgeltentwicklung in laufenden oder früheren Beschäftigungsverhältnissen befragen darf. Derselbe Artikel gibt Bewerbern ein Recht auf Informationen über das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne.
Die Frist für die Umsetzung in nationales Recht endete am 7. Juni 2026. Deutschland hat sie versäumt. In ihrer Antwort an den Bundestag vom 8. Juli 2026 schrieb die Bundesregierung, das Gesetzgebungsverfahren solle erst noch eingeleitet werden. Prüfe deshalb den aktuellen Stand, wenn es für dich darauf ankommt. Die Frage nach deiner Vorstellung für die neue Stelle nennt dieser Artikel nicht.
Wirst du im Gespräch trotzdem nach dem jetzigen Gehalt gefragt, kannst du zu deiner Vorstellung zurückkehren: „Ich spreche lieber darüber, was diese Stelle wert ist. Meine Vorstellung dafür kennen Sie bereits.“
Typische Fehler
- Die Bitte übergehen. Fragt die Anzeige nach der Zahl, fehlt ohne sie ein Teil deiner Unterlagen.
- Monat statt Jahr. Ein Monatswert ohne Hinweis führt zu Missverständnissen. Schreibe „brutto im Jahr“ aus.
- Die Zahl im Lebenslauf. Sie gehört nach der Karrierebibel ins Anschreiben.
- Eine lange Begründung. Ein Absatz über deinen Wert klingt unsicher. Die Belege stehen im Hauptteil.
- „Ab sofort verfügbar“. Das kann nach der Karrierebibel verzweifelt wirken. Besser ist ein konkreter Termin.
- Die Spanne zu breit ziehen. Wer die Untergrenze zu niedrig setzt, bekommt womöglich genau sie angeboten. Die untere Zahl muss für dich schon passen.
Die Zahl kommt von dir, der Rest aus deinem Lebenslauf
Dein Gehaltswunsch steht in keinem Lebenslauf. Ihn legst du deshalb selbst fest. Für den Rest des Schreibens gibt es die Anschreiben-KI. Sie schreibt aus der Stellenanzeige und deinem Lebenslauf ein Anschreiben und zeigt zu jeder Aussage, aus welcher Stelle deines Lebenslaufs sie stammt. Fehlt ein Beleg, bleibt eine Lücke stehen, statt dass etwas erfunden wird. Mehr dazu auf der Seite Anschreiben mit KI. Wie der Schlusssatz ohne Konjunktiv klingt, zeigt der Ratgeber Anschreiben richtig schreiben. Wenn nur eine knappe Mappe gefragt ist, hilft die Kurzbewerbung.

Häufige Fragen
Muss ich meine Gehaltsvorstellung in der Bewerbung angeben?
Wenn die Anzeige danach fragt, ja. Deine Unterlagen gelten sonst nach der Karrierebibel als unvollständig. Fragt die Anzeige nicht danach, kann das Thema bis zum Gespräch warten.
Brutto oder netto, Monat oder Jahr?
Brutto und für das Jahr. Das 13. Gehalt und Zusatzleistungen rechnest du nach der Karrierebibel nicht hinein. Schreibe „brutto im Jahr“ aus, damit niemand einen Monatswert vermutet.
Wo steht die Gehaltsvorstellung im Anschreiben?
Im Schlussteil, oft zusammen mit dem Eintrittstermin und vor der Grußformel. In den Lebenslauf gehört sie nicht.
Ist eine Gehaltsspanne besser als ein fester Betrag?
Beides ist üblich. Eine Spanne zeigt Spielraum, aber Gehalt.de weist darauf hin, dass sich das Gehalt dann eher an der unteren Grenze orientiert. Die untere Zahl muss für dich also schon passen.
Ist das schon die Gehaltsverhandlung?
Nein. Die Karrierebibel verortet die eigentliche Verhandlung in der Regel im ersten oder zweiten Vorstellungsgespräch. Die Zahl im Anschreiben ist dafür dein Ausgangspunkt.
Darf der Arbeitgeber nach meinem jetzigen Gehalt fragen?
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie untersagt das in Artikel 5. Am 8. Juli 2026 gab es in Deutschland aber noch kein Umsetzungsgesetz, das Verfahren sollte erst eingeleitet werden. Prüfe deshalb den aktuellen Stand.
Quellen
- Gehaltsvorstellung in Bewerbung angeben: Formulierungen, Karrierebibel (abgerufen 2026-11-04)
- Wie Gehalt in Bewerbung angeben?, Gehalt.de (abgerufen 2026-11-04)
- Entgeltatlas, Bundesagentur für Arbeit (abgerufen 2026-11-04)
- Entgeltatlas: Gehälter vergleichen, Lexware (abgerufen 2026-11-04)
- Richtlinie (EU) 2023/970, Art. 5: Entgelttransparenz vor der Beschäftigung, Haufe (Normtext) (abgerufen 2026-11-04)
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/7026 (08.07.2026), Deutscher Bundestag (abgerufen 2026-11-04)
- Umsetzung EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2026, ETL Rechtsanwälte (abgerufen 2026-11-04)