Studium
Bewerbung für ein duales Studium: erst der Betrieb, dann die Hochschule
Für ein duales Studium bewirbst du dich zuerst bei einem Unternehmen. Die Hochschule folgt, sobald der Vertrag unterschrieben ist. Diese Seite zeigt, wann du anfangen solltest, was ins Anschreiben gehört und wie ein Beispiel aussieht.
Die Antworten auf einen Blick
| Frage | Antwort | Quelle |
|---|---|---|
| Wohin geht die Bewerbung zuerst? | An das Unternehmen. Die Hochschule folgt, sobald der Vertrag mit dem Unternehmen unterschrieben ist. | Hessisches Wirtschaftsministerium, HWR Berlin |
| Wann bewerben? | Mindestens ein Jahr vor Studienbeginn. Viele Betriebe besetzen ihre Plätze schon dann. | Karrierebibel, HWR Berlin |
| Was gehört hinein? | Bewerbungsschreiben, Lebenslauf und Zeugniskopien, manchmal ein Motivationsschreiben. | HWR Berlin, Karrierebibel |
| Wie lang ist das Anschreiben? | Höchstens eine DIN-A4-Seite. | Karrierebibel |
| Worauf kommt es an? | Auf die Motivation für Betrieb und Studiengang. | Karrierebibel |
| Was folgt danach? | Je nach Betrieb Online-Bewerbung, Auswahltest, Gespräch oder Assessment-Center. | HWR Berlin, Karrierebibel |
Zwei Adressaten, einer davon zuerst
Ein duales Studium verbindet ein Studium mit der Arbeit in einem Betrieb. Deshalb gibt es zwei Stellen, bei denen du dich bewerben musst: das Unternehmen und die Hochschule. Die Reihenfolge ist aber festgelegt. Das Hessische Wirtschaftsministerium schreibt in seiner Broschüre „Duales Studium Hessen“: Der erste Schritt in das duale Studium ist die Bewerbung im Unternehmen. Sind alle formalen Voraussetzungen erfüllt und der Ausbildungs- beziehungsweise Studienvertrag mit dem Unternehmen unterschrieben, folgt die Bewerbung bei der Hochschule oder Berufsakademie.
Die HWR Berlin beschreibt es genauso und sagt es noch deutlicher: Interessierte bewerben sich direkt bei den Partnerunternehmen und nicht bei der Hochschule. Mit den erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerbern schließen die Firmen einen formulargebundenen Studienvertrag ab. Dieser Vertrag und der Nachweis einer Hochschulzugangsberechtigung sind die Voraussetzungen für die Zulassung an der Hochschule.
Für dein Anschreiben heißt das: Dein Leser ist zuerst eine Personalerin oder ein Ausbilder im Betrieb. Sie entscheiden, ob du den Vertrag bekommst. Für die Zulassung an der Hochschule braucht es laut HWR Berlin den Studienvertrag und den Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung. Wie die Hochschule im Einzelnen vorgeht, steht auf ihrer eigenen Seite. Hier geht es um das Schreiben an den Betrieb.
Wann du dich bewerben solltest
Die Karrierebibel nennt als typischen Beginn des Ausbildungs- und Studienjahres August oder September. Die Bewerbung sollte mindestens ein Jahr vorher erfolgen. Das Hessische Wirtschaftsministerium bestätigt das: Ein Jahr im Voraus beginnen meist bereits die Bewerbungsrunden. Die HWR Berlin ergänzt, dass viele Unternehmen die Plätze für ein duales Studium schon ein Jahr vor Studienbeginn besetzen.
Feste Termine für alle gibt es nicht. Die HWR Berlin schreibt ausdrücklich, dass die Dualen Partner die Bewerbungsmodalitäten und Zeitfenster bestimmen. Es gibt also unterschiedliche Verfahren und unterschiedliche Fristen. Die Frist steht in der Stellenanzeige oder auf der Karriereseite des Betriebs. Notiere sie dir für jeden Betrieb einzeln.
Ausgeschrieben werden die Plätze nach dem Wirtschaftsministerium über Stellenbörsen im Internet oder auf den Webseiten der Unternehmen. Auch Hochschulen und Berufsakademien können eine erste Anlaufstelle sein und Kontakte zu Betrieben vermitteln. Gerade kleinere Betriebe kommen vielleicht erst durch eine Initiativbewerbung auf die Idee, ein duales Studium anzubieten. Wie so eine Bewerbung aufgebaut ist, zeigt der Ratgeber Initiativbewerbung schreiben.
Welche Unterlagen der Betrieb sehen will
Das Verfahren legt jeder Betrieb selbst fest. Die HWR Berlin nennt als Beispiele die Online-Bewerbung, die Bewerbungsmappe und das Assessment-Center. Unabhängig von der Form werden oft diese Unterlagen verlangt:
- Bewerbungsschreiben. Nach der Karrierebibel höchstens eine DIN-A4-Seite.
- Lebenslauf. Die Karrierebibel nennt eine bis drei Seiten. Das Foto ist freiwillig.
- Zeugniskopien. Das Abitur- oder Fachabiturzeugnis sowie weitere Nachweise.
- Motivationsschreiben. Nur manchmal und nur, wenn die Anzeige es nennt. Wie es sich vom Anschreiben unterscheidet, erklärt der Ratgeber Motivationsschreiben.
- Praktikumszeugnis. Laut Karrierebibel optional.
Lies die Anzeige genau und schicke genau das, was dort steht. Wer ein Anschreiben nicht auf den Betrieb zuschneidet, fällt in der Menge auf. Das gilt für jede Bewerbung. Wie du ein Anschreiben ohne Berufserfahrung aufbaust, zeigt der Ratgeber Bewerbung für eine Ausbildung. Der Lebenslauf folgt denselben Regeln wie dort, nachzulesen unter Lebenslauf für die Ausbildung.
Was im Anschreiben stehen muss
Die Karrierebibel sagt, im Anschreiben komme es vor allem auf die Motivation für den Betrieb und den Studiengang an. Außerdem solltest du glaubwürdig belegen, dass du die nötige Disziplin und das Durchhaltevermögen mitbringst. Das ist beim dualen Studium nachvollziehbar. Du bist abwechselnd an der Hochschule und im Betrieb. Die Dauer beträgt laut Karrierebibel in der Regel drei Jahre oder sechs Semester. Dein Anschreiben beantwortet deshalb drei Fragen:
- Warum dieser Studiengang? Nenne einen Anlass, der sich belegen lässt: ein Schulfach, ein Projekt, ein Praktikum.
- Warum dieser Betrieb? Nimm einen Punkt, der nur zu diesem Unternehmen passt, zum Beispiel ein Produkt, einen Standort oder eine Abteilung, die du kennengelernt hast.
- Warum schaffst du beides? Zeige an einem Beispiel, dass du Lernen und Arbeiten verbinden kannst. Gut sind Nebenjob neben der Schule, Verantwortung in einer Schülerfirma oder ein Ehrenamt.
Behaupte keine Eigenschaften, sondern belege sie. Statt „Ich bin teamfähig“ schreibst du, was du in welchem Team getan hast. So kann der Betrieb dir glauben. Noten nennst du dann, wenn sie die Anforderungen der Anzeige stützen. Als Selbstzweck brauchst du sie nicht.
Ein durchgehendes Beispiel
Das Beispiel ist erfunden. Elif Demir macht in diesem Jahr Abitur und bewirbt sich bei einem Logistikunternehmen für ein duales Studium Betriebswirtschaft. Die Anzeige verlangt Anschreiben, Lebenslauf und das letzte Zeugnis.
Bewerbung um einen dualen Studienplatz Betriebswirtschaft zum 1. September
Sehr geehrte Frau Albrecht,
in Ihrer Anzeige schreiben Sie, dass Studierende bei Nordhafen Logistik schon im ersten Jahr eigene Aufgaben in der Disposition übernehmen. Das hat mich überzeugt, mich bei Ihnen zu bewerben.
Mein Interesse an Betriebswirtschaft kommt aus der Schülerfirma, die ich in der Oberstufe geleitet habe. Wir haben Schulkleidung verkauft, ich habe die Bestellungen bei zwei Lieferanten abgestimmt und die Kasse geführt. Im Praktikum bei einem Speditionsbetrieb habe ich vier Wochen lang Lieferscheine geprüft. Dort habe ich gemerkt, dass ich Zahlen gern mit der Praxis verbinde. In Mathematik und Wirtschaft stehe ich auf 13 Punkten.
Seit zwei Jahren arbeite ich samstags in einem Supermarkt und lerne parallel für die Schule. Beides unter einen Hut zu bringen, ist mir vertraut. Ein Studium mit wechselnden Phasen in der Hochschule und im Betrieb traue ich mir deshalb zu.
Ich freue mich auf ein Gespräch, in dem ich Ihnen mehr von meiner Arbeit erzählen kann. Mein Abiturzeugnis lege ich bei.
Mit freundlichen Grüßen
Elif Demir
Der Text hat etwa 190 Wörter und passt auf eine Seite. Er beginnt mit dem Betrieb und nicht mit „ich“. Jeder Satz im Hauptteil lässt sich im Lebenslauf nachprüfen: die Schülerfirma, das Praktikum, der Nebenjob, die Punkte im Zeugnis. Der dritte Absatz beantwortet die Frage nach Disziplin und Durchhaltevermögen mit einem Beispiel statt mit einem Versprechen.
Die Anschreiben-KI arbeitet nach demselben Prinzip. Sie schreibt aus der Stellenanzeige und deinem Lebenslauf ein Anschreiben und zeigt zu jeder Aussage, aus welcher Stelle deines Lebenslaufs sie stammt. Fehlt ein Beleg, bleibt eine Lücke stehen, statt dass etwas erfunden wird. Mehr dazu auf der Seite Anschreiben mit KI.
Nach dem Anschreiben: Auswahlverfahren
Mit einer guten Bewerbung bist du noch nicht am Ziel. Die Karrierebibel schreibt, dass einige Studiengänge und Hochschulen zusätzlich Auswahltests, Bewerbungsgespräche oder Assessment-Center verlangen. Die HWR Berlin nennt das Assessment-Center ebenfalls als mögliche Form. Du solltest also früh klären, was dein Wunschbetrieb vorsieht. Steht es nicht in der Anzeige, hilft ein Blick auf die Karriereseite oder eine kurze Frage an die Ansprechperson.
Zum Gespräch nimmst du dieselben Belege mit, die im Anschreiben stehen. Wer dort die Schülerfirma erwähnt, wird danach gefragt und kann sie erklären.
Typische Fehler
- Zu spät beginnen. Viele Plätze sind ein Jahr vor Studienbeginn vergeben. Plane die Bewerbung für das Jahr davor ein.
- Nur eine Bewerbung. Nicht jeder Betrieb nimmt dich. Bewirb dich bei mehreren und schreibe jedes Anschreiben neu.
- Die Hochschule vor dem Betrieb anschreiben. Der Studienvertrag mit dem Unternehmen ist die Voraussetzung für die Zulassung, nicht umgekehrt.
- Studiengang und Betrieb vermischen. Schreibst du nur über das Studium, kommt der Arbeitgeber zu kurz. Dreht sich alles um den Betrieb, bleibt die Frage nach dem Studium offen.
- Ein Text für alle. Fehlt ein Punkt, der nur zu diesem Betrieb passt, wirkt das Anschreiben austauschbar.
Mehr Beispiele für Anschreiben mit Belegen findest du unter Anschreiben Beispiele.

Häufige Fragen
An wen bewerbe ich mich für ein duales Studium zuerst?
An das Unternehmen. Erst wenn der Studienvertrag mit dem Betrieb unterschrieben ist, folgt die Bewerbung bei der Hochschule oder Berufsakademie.
Wann sollte ich mich für ein duales Studium bewerben?
Mindestens ein Jahr vor Studienbeginn. Viele Betriebe besetzen ihre Plätze schon ein Jahr vorher. Die genaue Frist legt jeder Betrieb selbst fest.
Welche Unterlagen brauche ich?
Meist ein Bewerbungsschreiben, einen Lebenslauf und Zeugniskopien. Manche Betriebe verlangen zusätzlich ein Motivationsschreiben. Maßgeblich ist die Stellenanzeige.
Wie lang darf das Anschreiben sein?
Höchstens eine DIN-A4-Seite, so die Karrierebibel.
Was ist im Anschreiben am wichtigsten?
Die Motivation für den Betrieb und den Studiengang. Dazu kommt ein Beleg, dass du Disziplin und Durchhaltevermögen für Studium und Arbeit mitbringst.
Gibt es nach der Bewerbung noch ein Auswahlverfahren?
Oft ja. Je nach Betrieb folgen Online-Bewerbung, Auswahltest, Bewerbungsgespräch oder Assessment-Center.
Quellen
- Duales Studium Hessen: Schneller am Ziel, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (abgerufen 2026-11-01)
- Jetzt bei Unternehmen bewerben, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) (abgerufen 2026-11-01)
- Duales Studium: Voraussetzungen, Gehalt, Bewerbung, Karrierebibel (abgerufen 2026-11-01)